Eine Schlacht vor mehr als tausend Jahren …

Als älteste Stadt der Prignitz blickt Lenzen auf eine über tausendjährige Geschichte zurück. Vermutlich im 8. Jahrhundert ließen sich Slawen vom Stamm der Linonen im Urstromtal der Elbe nieder. Sie errichteten am Standort der heutigen Burg Lenzen eine ringförmige Befestigungsanlage – die Burg Lunkini.

Als Hauptsitz der Linonen wurde Lunkini als „Slawische Königsburg“ Jahrhunderte lang zum Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen an der Grenze zwischen dem fränkisch-deutschen Reich und dem slawischen Siedlungsraum.

Schriftlich erwähnt wurde Burg Lunkini erstmals im Jahre 929, als König Heinrich I., gereizt durch die aufständischen Slawen, seine Truppen über die Elbe schickte, um die „Slawische Königsburg“ Lunkini einzunehmen.

Die Schlacht bei Lenzen 929 war von großer geschichtlicher Bedeutung, dass sie in den Klosterschriften des Widukind von Corvey dokumentiert wurde:

Heinrich I., König des ostfränkisch-deutschen Reiches, schwor den aufständischen Slawen blutige Rache. Mit mächtigem Heer, Fußvolk und Reiterschar, bestärkt durch den Befehl des Königs, überschritten die Grafen Bernhard und Thietmar die Elbe, um die Burg Lunkini zu belagern und einzunehmen. So geschehen am 1. September 929.

Erschwert durch unaufhörlichen Regen und starken Nebel, entbrannte ein gewaltiger Kampf. Nach vier Tagen erfolgloser Belagerung zogen die Wenden scheinbar ab. Am Morgen des 5. September 929 – „in heller Bläue strahlte der Himmel nach dem nächtlichen Regen“ – „schickten sich die Sachsen, obwohl sie die ganze Nacht unter Waffen gestanden haben, zum Angriff an … Allen voran, nur von einer kleinen Schar umgeben, stürmte der Markgraf Bernhard“.

Es wurde erbittert gekämpft um Burg Lunkini. Die Wenden, die ihr Land genau kannten, waren immer wieder im Vorteil. Der Sumpf und die Moore kämpften für sie. Erst einem Flankenangriff von 50 gepanzerten Reitern gelang es schließlich, die Schlacht für die Deutschen zu entscheiden. „Mit grausamer Strenge wurde der Kampf gegen die Slawen geführt; man kannte keine Schonung, nur Knechtschaft und Vernichtung“.

Der Künstler Max Brauer verewigte die „Schlacht bei Lenzen“ 1941 in einem Zinnfigurendiorama, dass heute im Lenzener Burgmuseum zu sehen ist. Mit ca. achttausend Zinnfiguren zählt es zu den größten Dioramen Norddeutschlands.

Trotz des errungenen Sieges über die Slawen im Jahre 929 dauerte es noch fast zwei Jahrhunderte und viele weitere Kämpfe, bevor die Prignitz kolonisiert und christianisiert werden konnte. Mit dem großen Wendenkreuzzug 1147 endete die slawische Herrschaft in der Prignitz.

Danach gelangt die Burg in den Besitz der deutschen Adelsfamilie Edle Gans zu Putlitz. Auf dem slawischen Burgwall wurde eine frühdeutsche Burg errichtet. Aus dieser Zeit im 13. Jahrhundert stammt der heute noch vorhandene Burgturm mit seinem über drei Meter mächtigen Wänden, dessen Eingang in acht Meter Höhe lag und über eine Anlehnleiter erreichbar – Zuflucht vor Belagerern bot. Hier soll auch der Dänenkönig Waldemar im Jahr 1223 inhaftiert worden sein.

Von Raubrittern und ihrem Verlies
Das Mittelalter war die Zeit der Vögte und Raubritter auf der Burg Lenzen. Sehr erfolgreiche, raubritterliche Aktivitäten bewiesen die von Quitzows, die um 1375 sowohl Elbe als auch Binnenwege kontrollierten. Deren Lösegeldforderungen für die von ihnen festgesetzten Opfer waren geradezu unverschämt. Diese Phase in der Geschichte der Burg Lenzen und der Prignitz wird heute als „Quitzow-Zeit“ bezeichnet.

1398 beendete Herzog Albrecht von Mecklenburg das raubritterische Treiben, wobei sein Heer allerdings auch die Burg zerstörte.

Während des gesamten 15. Jahrhunderts gerieten Lenzen und Burg weiterhin – oft als Pfand – in immer wieder andere Besitzverhältnisse.

Während des 16. Jahrhunderts ist Lenzen die wichtigste Elbzollstelle Brandenburgs. Damals waren die Zölle so hoch, dass sie den Handel zu ersticken drohten. Auch von anderen Geißeln jener Zeit wie Feuer und Pest blieb Lenzen nicht verschont.

Im 17. Jahrhundert forderte der Dreißigjährige Krieg seinen Tribut auch in Lenzen: die Einwohnerzahl sank von 3.000 auf 300, die Burg wurde stark beschädigt, Zinnen und Erker mussten abgetragen werden.

Ein Holländer wird Lenzener Amthauptmann
1648, wurde mit Arnold Gysel van Lier ein Niederländer Amthauptmann von Lenzen. Van Lier entwässerte und kolonisierte die Lenzerwische, ließ die Deiche sanieren, wirtschaftete nachhaltig und förderte Schulen wie Künste.

1767 wird das Amt Lenzen aufgelöst und die Burg von Friedrich dem Großen veräußert. Es beginnt eine Zeit von wechselnden Erbpachten und Privatbesitzen in der Geschichte der Burg Lenzen.

Burg Lenzen im 20. Jahrhundert …
Um 1920 ließ der damalige Besitzer, Herr Isermann, das gesamte Ensemble mit Park und Garten restaurieren und ein erstes Museum einrichten. Damals verfügte das „Schloss Lenzen“ über 27 moderne Zimmer mit Wirtschaftsräumen, Extragebäude und Pförtnerhaus.

In diesem erstklassigen Zustand wechselte die Burg 1931 in den Besitz der Architektenfamilie Renner. Mit Tennisplätzen, Reit- und Jagdgelegenheiten, Gartenbau in modernen Treibhäusern sollte die historische Anlage als exklusives „Pensionat für „Höhere Töchter an der Elbe“ in ganz Europa bekannt werden.

Nach dem Krieg, 1953 wurden Burg und Grundstück durch Enteignungsverfügung der DDR-Behörden der Familie Renner entzogen. Die Familie hatte Lenzen verlassen und war nach Westberlin geflohen. Burg Lenzen wurde zum Altersheim. Die Einrichtung des Parteiveteranenheims „Edwin Hörnle“ sicherte den nötigsten Erhalt der Bausubstanz. Dennoch gefährdeten Versorgungsengpässe und Materialknappheit den Erhalt der historischen Burganlage.

Nach dem Fall der Mauer erhielt Frau Kreckel, geborene Renner, die Burg Lenzen als Eigentum der Familie zurück. Sie schenkte die Burg Lenzen 1993 dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, BUND, Landesverband Niedersachsen e.V. mit dem ausdrücklichen Wunsch, dass dieser die Burg im Sinne des Umwelt- und Naturschutzes erhalten und nutzen möge.


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